Die Dosis macht das Gift

· April 2007

Wenn Essen krank macht

Apotheke Angesichts der Flut an Medikamenten und sonstigen Errungenschaften unserer westlichen Heilkunst könnte man den Eindruck gewinnen, damit den Großteil gesundheitlicher Störungen bereits im Griff zu haben. Doch die Realität sieht anders aus: Bis zu 20% der Bewohner moderner Industriestaaten leiden unter Krankheiten, die auch nach eingehender ärztlicher Untersuchung keine organischen Ursachen erkennen lassen.

Verdauungsprobleme, Migräne, Asthma, niedriger Blutdruck, Hautausschläge, Regelbeschwerden, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, etc. – eine lange Liste regelrechter Volkskrankheiten! Nahrungsmittelunverträglichkeiten können Auslöser all dieser Beschwerden sein, genauer gesagt, bestimmte Stoffe in der Nahrung werden ab einer gewissen Menge nicht mehr vertragen.

Die häufigsten Übeltäter sind Laktose (Milchzucker), Fructose (Fruchtzucker) und Histamin, eine Substanz, die jedem Allergiker ein Begriff ist. Es handelt sich bei diesen Unverträglichkeiten aber nicht um eine echte Allergie, sondern um eine Nahrungsmittelintoleranz. Den Unterschied möchte ich kurz erklären, da das Wort Allergie oft missbräuchlich verwendet wird und mittlerweile fast zu einer Volksseuche gerät!

Eine echte Allergie ist die Reaktion eines übereifrigen Immunsystems, das verlernt hat, zwischen harmlosen und gefährlichen Eindringlingen zu unterscheiden. Es beginnt, z.B. gegen Pollen, Tierhaare, bestimmte Nahrungsbestandteile oder sogar Staub Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden. Bei wiederholtem Kontakt mit diesen „Feinden“ kommt es zu den bekannten allergischen Reaktionen, die ihre Ursache in einer vermehrten Ausschüttung von Histamin und anderen Substanzen haben. Juckreiz, tränende Augen, Niesreiz und Schnupfen, Asthma, Atemnot und Blutdruckabfall sind nur einige davon. Die Reaktionen des Immunsystems können bis zum allergischen Schock führen und lebensbedrohliche Ausmaße annehmen, wie die tragischen Todesfälle nach Bienen- und Wespenstichen alljährlich beweisen.

Bei einer Nahrungsmittelintoleranz bleibt das Immunsystem untätig. Die Symptome sind jedoch in beiden Fällen sehr unangenehm!

Laktoseintoleranz

„Milch Trinken ist gesund!“ Wir alle haben den Satz schon als Kind gehört. Leider gibt es viele Menschen, die diesen Rat lieber nicht befolgen sollten, da der Genuss von Milchprodukten bei ihnen zu heftigen Beschwerden führt: Blähungen, starke Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, ständige Verschleimung der Atemwege, Räusperzwang, Ekzeme – die Palette ist groß.

Ursache ist die Laktose (Milchzucker), um sie zu verdauen braucht der Körper das Enzym Laktase. Ist keine oder zu wenig Laktase vorhanden, wird Milchzucker im Dünndarm nicht ausreichend aufgespalten und gelangt in untere Darmabschnitte, wo es zu Fäulnis und Gärung kommt. Gase und organische Säuren entstehen, die oben genannten Beschwerden sind die Folge.

Laktoseintoleranz kann man schon bei Kindern feststellen, normalerweise aber verlieren erst Menschen im Erwachsenenalter die Fähigkeit, Milchzucker zu verdauen. Die Abnahme des Enzyms Laktase ist ein natürlicher Prozess, weshalb Senioren öfter davon betroffen sind als jüngere Menschen, gerade ihnen aber wird der Verzehr von Milchprodukten zur Osteoporosevorsorge nahegelegt! Laktose findet sich nicht nur in Milchprodukten, sie wird in der gesamten Lebensmittelbranche und in der Pharmaindustrie als Zusatz verwendet. Homöopathische Kügelchen, Schüssler Salze, viele Tabletten und Kapseln – sie alle enthalten Laktose in unterschiedlichen Mengen.

Und die Menge ist ausschlaggebend: Die Dosis macht bekanntlich das Gift. Kleinere Mengen Milchzucker werden vom Organismus durchaus vertragen, die Probleme beginnen erst, wenn die Vorräte am Enzym Laktase erschöpft sind. Das Wissen um die Unverträglichkeit und der aufmerksame und vernünftige Umgang mit Lebensmitteln sind unerlässlich!

Fragen Sie Ihren Arzt – Laktoseintoleranz lässt sich mit einem einfachen Atemtest nachweisen.

Fructoseintoleranz

Vitaminreiche Ernährung, viel frisches Obst und Fruchtsäfte – für viele Menschen ist dies leider kein Quell der Gesundheit! Die darin enthaltene Fructose (Fruchtzucker) führt bei ihnen zu unangenehmen und teils heftigen Beschwerden. Fructose findet man in allen Obstsorten und den daraus hergestellten Produkten – Obstsäfte, Trockenfrüchte, Marmeladen, Kompotte, usw.
Auch vielen Fertigprodukten wird Fruchtzucker zugesetzt: Diabetikerprodukte, Instantgetränke, Fruchtjoghurts, Müsliriegel werden damit gesüßt.

Fructose wird vom gesunden Menschen problemlos im Dünndarm verdaut und durch die Darmwand in den Blutkreislauf transportiert. Ist dieser Transport eingeschränkt, gelangt der restliche Fruchtzucker in den Dickdarm und wird dort durch die vorhandenen Darmbakterien abgebaut. Die entstehenden Stoffwechselprodukte sind zum Teil gasförmig und erzeugen heftige Beschwerden: Betroffene leiden nach dem Essen häufig unter Übelkeit, Blähungen, Völlegefühl, wässrigen Durchfällen, Darmgeräuschen, der Bauch ist durch entstehende Darmgase vorgewölbt. Auch Antriebslosigkeit und depressive Verstimmungen können ursächlich damit in Zusammenhang gebracht werden, denn die Bildung des „Glückshormons“ Serotonin kann durch eine Fruktoseintoleranz gestört sein.

Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit und Xylit, enthalten in zuckerfreien Bonbons und Kaugummis, werden ebenso schlecht vertragen. Sie blockieren die Aufnahme von Fruchtzucker aus dem Darm und verursachen so das gleiche Beschwerdebild. Abhilfe schafft ein Verzicht auf den Genuss größerer Mengen von Fruktose, eine Liste fruktosearmer Lebensmittel ist in Buchhandlungen und Apotheken erhältlich.

Auch Fruktoseintoleranz kann beim Arzt durch einen einfachen Atemtest festgestellt werden!

Histaminintoleranz

Sie gehört zu den gefährlichsten Unverträglichkeiten, da es bei Unkenntnis zu lebensbedrohlichen Zwischenfällen kommen kann. Offenbar nicht nur für den Patienten selbst – angeblich ließ Heinrich VIII. von England seinen Koch enthaupten, weil er eine Erdbeerallergie (eigentlich Histaminintoleranz) für einen Vergiftungsversuch hielt!

Histamin ist eine chemische Substanz, die in sehr unterschiedlichen Konzentrationen in fast allen Lebensmitteln vorkommt. Darüber hinaus ist es ein körpereigener Stoff, der in den Zellen jedes Menschen gespeichert ist und dort auf seine – gegebenenfalls unerwünschte – Freisetzung wartet. Nicht nur Allergiker kennen die Wirkung von Histamin, jeder von uns hat schon seine Erfahrungen damit gemacht: Kopfschmerzen nach dem Genuss eines „schweren“ Weines, Brennnesseln geben jedem, der ihnen zu nahe kommt, Histamin ab.

Während große Mengen auch beim gesunden Menschen schwere, ja sogar lebensbedrohliche Krankheitszustände hervorrufen können, reichen im Falle einer Histaminintoleranz bereits kleine bis geringste Mengen, um ein individuelles Beschwerdebild zu verursachen: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Migräne, verstopfte oder rinnende Nase, Asthmaanfälle, Herzrhythmusstörungen, Durchfälle, niedriger Blutdruck, Juckreiz und Nesselausschlag, um die wichtigsten Symptome zu nennen.

Im gesunden Organismus wird Histamin von DAO, einem körpereigenen Enzym, in ausreichender Menge entsorgt. Bei Histaminintoleranz ist zu wenig von diesem Enzym vorhanden, der Organismus ist überfordert. Besonders histaminreiche Lebensmittel sollten daher unbedingt gemieden werden: Hartkäse, Sauerkraut, Fischkonserven, Geräuchertes, Rotwein und Bier, und alle Nahrungsmittel, die einer längeren Reifung unterliegen. Auch aufgewärmte Speisen sind nicht zu empfehlen! Alkohol, aber auch eine Unzahl von Medikamenten (z. B. schleimlösende Hustenmittel, Schmerzmittel) können eine vorhandene Histaminintoleranz verstärken, indem sie das Enzym DAO blockieren. Viele Nahrungsmittel enthalten histaminähnliche Stoffe und können ebenfalls unerwünschte Reaktionen auslösen – verschiedene Obstsorten, wie Erdbeeren und Zitrusfrüchte, Gemüse und Nüsse.

Der Nachweis einer Histaminintoleranz ist schwierig, Bluttests ermöglichen leider keine sichere Diagnose. Nur ein mehrwöchiger Verzicht auf histaminhältige Ernährung ist die verlässlichste Methode, eine Histaminintoleranz festzustellen, da sich in diesem Fall die Beschwerden deutlich bessern.

Sollten Sie sich bei einem oder mehreren dieser Symptome wiedergefunden haben, kann Ihnen mit relativ einfachen Mitteln geholfen werden, Ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern. Es gibt Diätpläne und Menüvorschläge für diese Intoleranzen, oft genügt es ja schon, die Menge des „Übeltäters“ einzuschränken.
Fragen Sie Ihren Arzt oder lassen Sie sich in der Apotheke beraten!

Von Mag. pharm. Elisabeth Lindner, Grinzens, Apotheke Weer

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Kommentare

  1. — L. B. · 07. Nov. 07, 03:04 · #

    Nicht DMO, sondern DAO heißt das histaminabbauende Enzym!
    Mit freundlichem Gruß L.B.

  2. Redaktion · 07. Nov. 07, 07:07 · #

    Vielen Dank für den Hinweis – bereits korrigiert.

  3. — carmen · 05. Aug. 10, 19:28 · #

    hallo
    ich vermute bei meiner tochter eine hi
    besserungen stellen sich ein wenn ich immer mehr darauf achte ,was sie ißt
    und ich danke für diesen bericht
    leider muß man immer lange lange selber testen,was man am besten verträgt
    seid wochen zb überlege ich ob karies,den meine t. hat von hi kommt
    habe gelesen das man dann kein fluori und sorbit darf
    oh ja da kann man verzweifeln
    meine t. hat zu dem wahnsinnige angst vor blutuntersuchungen und hat bei dem gedanken
    echt halbe ohnmachtsanfälle
    haben die event. auch mit hi. zu tun
    ??????
    ich danke nochmal für den artikel
    liebe grüße carmen

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