Die Finanzkraft der Gemeinde Grinzens im Vergleich
Ausgabe Nr. 10 · April 2007
Pro Kopf und Jahr haben die Tiroler Gemeinden zwischen 2000.- € und 630.- € zur Verfügung. In der Reihung aller 279 Tiroler Gemeinden belegt Grinzens mit 664.- € pro Person und Jahr Platz 269. An der Spitze liegen Tourismusgemeinden wie Ischgl und Sölden oder Industriestandorte wie Kundl und Wattens.
Die Zeitschrift Echo veröffentlichte in Heft 10/2006 eine Liste der finanziellen Basisdaten aller 279 Tiroler Gemeinden, die vom Amt für Statistik der Tiroler Landesverwaltung alljährlich erstellt wird. Sie enthält Daten, die durch Mittelung über die letzten drei Jahre zustande kommen. Der folgende Tabellenauszug zeigt die Bandbreite der Finanzverhältnisse in den Tiroler Gemeinden.
Angeführt sind die Gemeinden Ischgl (Platz 1), Kundl (Platz 5), Wildermieming (Platz 140), Grinzens (Platz 269) und Schlaiten (Platz 279). Die Zahlenangaben sind gerundet. Der Auszug erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift ECHO. Dem Amt für Statistik der Tiroler Landesregierung danken wir für seine bereitwillige Auskunft zur Definition des Verschuldungsgrades.
Finanzkraft = Steueraufkommen
Welche Daten enthält unsere Tabelle?
- Wie viel Steuergeld hat eine Gemeinde pro Kopf und Jahr zur Verfügung? In Klammer ist die Zusammensetzung der Gesamtsteuern aus a) Kommunalsteuern, b) sonstigen Steuern und c) Ertragsanteilen angeführt. Die Kommunalsteuern erwachsen einer Gemeinde aus jenen Betrieben, die in der Gemeinde angesiedelt sind, und sind mit einem fixen Prozentsatz an die Höhe der vom Betrieb bezahlten Löhne gekoppelt. Die sonstigen Steuern bestehen weitgehend aus Grundsteuer. Die Ertragsanteile werden den Gemeinden aus den Steuereinnahmen des Bundes zugewiesen.
- Wie hoch sind die Gemeindeschulden pro Kopf?
- Wie hoch sind die Ausgaben, die einer Gemeinde aus ihrer Verschuldung entstehen, im Verhältnis zu ihrem Bruttobudgetüberschuss, falls ein solcher überhaupt vorhanden ist?
| Steuereinnahmen/Kopf in € | Verschuldung/Kopf in € | Verschuldungsgrad | |
|---|---|---|---|
| Ischgl | 1937.- (583+334+1021) | 1706.- | 21% |
| Kundl | 1726.- (1034+136+556) | 958.- | 20% |
| Wildermieming | 822.- (103+141+578) | 492.- | 67% |
| Schlaiten | 632.- (9+40+582) | 1941.- | 0% |
Der Verschuldungsgrad braucht eine Erläuterung:
Verschuldungsgrad = Kreditkosten geteilt durch (Einnahmen -Ausgaben + Kreditkosten)
Falls der Nenner dieser Bruchzahl, der so genannte Bruttobudgetüberschuss, jedoch 0 oder negativ ist, wird der Verschuldungsgrad abweichend von obiger Formel auf 0% gesetzt. Dadurch weisen Gemeinden mit extrem hoher Verschuldung denselben Verschuldungsgrad aus, wie Gemeinden ohne jegliche Schulden. Weiter erhöht sich der Verschuldungsgrad durch Verwendung eines am Jahresende vorliegenden Überschusses zu vorzeitigen Tilgungszahlungen. Das zeigt, dass der Begriff des Verschuldungsgrades wenig sinnvoll gebildet ist. (Vom Senderswind daraufhin angesprochen, hat das Amt für Statistik der Tiroler Landesregierung angekündigt, seine Definition des Verschuldungsgrades zu verbessern. Aufschlussreicher
wäre etwa das Verhältnis von Verschuldung zu den jährlichen Steuereinnahmen. Dieses Verhältnis ist für Ischgl / Kundl / Wildermieming / Grinzens / Schlaiten: 88% / 56% / 79% / 74% / 307%)
Was ist aus unserer Tabelle zu lernen?
- Die Gemeinde Grinzens muss über die Verwendung von ungefähr 50 € pro Monat und Kopf entscheiden. (Nicht berücksichtigt ist dabei der Umsatz aus Müll- und Wasserversorgung, der sich in der Größenordnung von 15 €
pro Monat und Kopf bewegt.) - Das Kommunalsteueraufkommen kann etwa doppelt so groß sein wie die Ertragsanteile, die vom Bund zugeteilt werden. (Siehe Kundl) Die Kopfquote der Ertragsanteile ist nicht bei allen Gemeinden gleich. Sie berücksichtigt die unterschiedlichen Belastungen einer Gemeinde durch öffentliche Aufgaben. Der Kommunalsteueranteil an den Gesamtsteuereinnahmen liegt in Grinzens bei etwa 3%, in Ischgl bei 30%, wobei Ischgl zusätzlich eine fast doppelt so große Kopfquote wie Grinzens bei den Ertragsanteilen hat.
- Grinzens liegt in der Reihung nach der Höhe der Steuereinnahmen pro Kopf in den Jahren 03-05 an 269-ter Stelle, also weit hinten. Unberücksichtigt blieben dabei jedoch die Bedarfszuweisungen. Das ist Steuergeld, das vom Land an Gemeinden mit außergewöhnlichen Belastungen zusätzlich und innerhalb eines Ermessensspielraumes aus bezahlt wird. Bedarfszuweisungen machen jedoch in der Regel höchstens ein paar Prozent der Gesamteinnahmen aus.
- Grinzens hat Schulden, die seinen Steuereinnahmen von 9 Monaten entsprechen.
- 67% des „Brutto“-Budgetüberschusses von Grinzens wird von den Zahlungen für Kreditzinsen und Schuldentilgung aufgefressen. (Eine Verschuldung zwischen 51% und 80% wird von ECHO als „starke Verschuldung“ bezeichnet.)
Resümee: 127 der 279 Gemeinden, also 46 % aller Gemeinden haben Gesamtsteuereinnahmen von weniger als 800.- € pro Kopf und Jahr. Die Spannbreite innerhalb dieser „ärmeren“ Hälfte der Tiroler Gemeinden ist dann nicht mehr sehr groß. Sie reicht von 800.- bis 630.-€ pro Kopf und Jahr. Sich um die Platzierung innerhalb dieser 46% der Gemeinden Sorgen zu machen, ist vermutlich weniger dringend als darüber, wie die vorhandenen Mittel möglichst vorteilhaft eingesetzt werden können.
Update 12. Okt. 2009: Weiterführende Links
Finanzkraft Tiroler Gemeinden im Vergleich
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