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· September 2008

Grinzens auf dem Weg zum Bioenergiedorf

Bereits seit einiger Zeit beschäftigt zwei engagierte Grinziger, wie sie ihre Heizkosten halbieren, dabei ihren persönlichen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten und die lokale Wirtschaft fördern könnten. Ihr Projekt: Eine Biomassefernwärmeanlage – besser als Hackschnitzelheizung bekannt – am Schnittpunkt zwischen Seite und Engls-/Minigsgasse. Der Senderswind befragte die beiden Initiatoren Christian Odor und Stefan Krüger zu ihrem Vorhaben.

Was brachte Euch auf die Idee, eine Hackschnitzelheizung für Euch zu planen?

Christian: Es macht doch keinen Sinn, immer nur Erdöl oder Erdgas zu verheizen, während wir einen hervorragenden Energieträger vor der Haustür haben: Holz aus den Wäldern unserer Gemeinde.

Stefan: Und spätestens mit der Verabschiedung des Leitbildes ‘Lokale Agenda 21’ in Grinzens dachten wir: Jetzt wird Grinzens in Sachen alternative Energie endlich aktiv. Bis jetzt haben wir aber davon leider noch nichts bemerkt. Jetzt wollen wir nicht mehr länger warten und planen das einfach selber.

Wie sieht Euer Projekt denn aus?

Christian: Wir planen eine Hackschnitzelheizung für 5 – 7 Haushalte mit einer Leistung von 2 × 100 kW Heizleistung.

Stefan: Andere Gemeinden haben es uns doch bereits vorgemacht: Das Kleinkraftwerk in Obermieming zum Beispiel versorgt seit mehreren Jahren 5 Haushalte höchst zuverlässig und kostengünstig mit warmem Wasser aus einer zentralen Hackschnitzelheizung.

Elefantengras - Krug, Waldaufseher Wildermieming
Karl Krug, Waldaufseher in Wildermieming vor
einem Feld mit Elefantengras

Was sind denn die Vorteile für jeden einzelnen?

Stefan: Jede Heizung arbeitet unter Volllast am effektivsten. Bei 100% Auslastung ist der Wirkungsgrad am höchsten und die Feinstaubbelastung am geringsten. Daher planen wir eine Heizung mit zwei gleich großen Kesseln. Eine normale Hausheizung kann diese optimale Auslastung die meiste Zeit des Jahres ja gar nicht erreichen und dennoch hat jeder in seinem Haus einen eigenen Tank, eine eigene Heizung, bezahlt Wartung, Kundendienst und Rauchfangkehrer.

Und was wären die Vorteile für Grinzens?

Stefan: Das Geld, das wir bisher alle für fossile Energie bezahlen, bleibt doch nicht wirklich in unserer Region, also nicht in Tirol, nicht in Österreich, nicht einmal in Europa. Wenn wir aber auf Holz aus Grinzens umsteigen, bleibt das Geld, das wir für die Beheizung unserer Häuser bezahlen auch hier in Grinzens, hier in Tirol.

Mit welchen Kosten muss jeder Hausbesitzer rechnen?

Christian: Die einmaligen Anschlusskosten werden für jeden bei rund 7.500 EUR liegen, an der genauen Kalkulation arbeiten wir gerade noch.

Stefan: Darüber hinaus wird eine Hackschnitzelheizung mit 40% der Kosten von der EU und dem Land Tirol gefördert.

Christian: Bei den laufenden Heizkosten kann man von einer Halbierung der Ausgaben ausgehen. Wenn das Haus einer normalen Familie heute also 3.000 Liter Öl im Jahr verbraucht, sind eine Einsparung von rund 1.500 EUR/Jahr schon eine Menge Geld.

Und wie sieht das konkret aus?

Stefan: Die Bauern bewirtschaften den Wald doch sowieso. Die Bäume aus den Gemeindewäldern werden zum Kleinkraftwerk transportiert, dort zweimal jährlich zu Hackschnitzeln verarbeitet und zur Trocknung zwischengelagert. Die bei der anschliessenden Verbrennung freigesetzte Energie dient dann zur Beheizung der angeschlossenen Häuser. Über eine Produktion von Strom für die Pumpen oder sogar eine Einspeisung ins öffentliche Netz denken und rechnen wir noch nach.

Elefantengras
Energie direkt vom Feld
Neben der klassischen Holzwirtschaft könnte in Grinzens noch mehr Energie selbst produziert werden: Der Anbau von Chinaschilf, auch Elefantengras genannt rückt immer mehr in das Bewusstsein Tiroler Bauern.
Was ist Elefantegras?
Miscanthus ist eine chinesische Schilfart, die eine hohe Energieausbeute mit geringem Kosten- und Arbeitseinsatz verbindet. Insbesonders das Riesen-Chinaschilf (Miscanthus giganteus) mit einer Wuchshöhe von bis zu 4m eignet sich besonders als Energiepflanze.
Wie wird Elefantengras angebaut?
Bereits im dritten Jahr nach Beginn der Anpflanzung können aus jedem Hektar rund 18 Tonnen Schilf mit herkömmlichen Maishäckslern geerntet werden und ersetzen dabei mehr als 6.000 Liter Öl. Das sogar ohne den Einsatz von Dünge- oder Spritzmitteln, da die Blätter vor der Ernte abfallen und so verbrauchten Stickstoff an den Boden zurückgeben. Die Pflanzen müssen dabei nur einmal angepflanzt werden, da sie jedes Jahr von selbst neu austreiben und erreichen dabei eine Nutzungsdauer von ca. 20 Jahren. Die gehäckselte Ernte muss nicht einmal mehr getrocknet werden, sondern kann sofort nach der Ernte zur Energieerzeugung eingesetzt oder problemlos gelagert werden. Auf den 20 ha des geplanten Golfplatzes in Grinzens könnte somit also innerhalb kurzer Zeit Energie in Form von 360 Tonnen Elefantengras geerntet werden – dies entspricht einer Ersparnis von 120.000 Liter Öl – jedes Jahr.

Christian: Und unsere Bauern erhalten durch die langfristigen Lieferverträge eine zusätzliche (jahreszeitlich) unabhängige Einnahmequelle: Mit nachhaltiger Bewirtschaftung des Waldes kann man also Geld verdienen, wobei immer nur so viel Holz entnommen wird, wie für den Wald erträglich ist. Der Obmann der Agrargemeinschaft Johann Holzknecht spricht von einem Hektarertrag von 5 Festmetern pro Jahr.

Wann soll es losgehen?

Stefan: Im Moment sind wir dabei, ein geeignetes Grundstück für die zentrale Heizanlage zu finden und die Anlage technisch zu dimensionieren. Wir benötigen für die Hackschnitzelheizung etwas mehr als die Fläche einer Doppelgarage.

Christian: Gleichzeitig bereiten wir eine Informationsveranstaltung vor, in der wir alle interessierten Grinziger aus der Seite und der Engls-/Minigsgasse über unser Vorhaben informieren möchten.

Stefan: Selbstverständlich sind auch alle anderen Interessenten herzlich eingeladen, denn ich bin mir sicher: Das wird vielleicht die erste Heizung dieser Art für eine kleine Siedlung in Grinzens werden, aber sicher nicht die letzte. Grinzens hat gute Chancen, ein Bioenergiedorf zu werden.

Herzlichen Dank, Christian und Stefan.

Hackschnitzelanlage Wildermieming

Hackschnitzelheizung Wildermieming
Technische Daten
Leistung: 2 × 100 kW
Baujahr: 2000
angeschlossene Haushalte: 5
Länge des Leitungsnetzes: 300m
Kosten: 70.000 EUR
Anschlusskosten/Haushalt: 7.500 EUR
Öleinsparung bisher: ca. 120.000 Liter Öl

— Redaktion

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