Grünes Licht für Kraftwerk Sellrain?

· September 2012

… schreiben der ORF, die TT und Land Tirol

Doch wer soll zahlen?

Auf ein gemeinsames Kraftwerk Sellrain haben sich am Donnerstag (Anm. Red.: 22. März 2012) sieben Gemeinden geeinigt. Das Land hat dazu grünes Licht gegeben. Geplant ist, an der Melach eines der größten Kleinwasserkraftwerke der Region zu errichten.

Das geplante Wasserkraftwerk Sellrain ist ein Kraftwerk für sieben Gemeinden: Unterperfuss, Oberperfuss, Kematen, Grinzens, Sellrain, Gries im Sellrain und St. Sigmund im Sellrain. Das Gemeinschafts-Kraftwerk an der Melach soll Strom für 15.000 Haushalte liefern.

Auf Kostenschlüssel geeinigt

Bis zuletzt gab es Diskussionen rund um die Finanzierung und den Aufteilungsschlüssel der Kosten. Einige der Gemeinden sind nicht sehr finanzstark und die Investitionskosten für das Kraftwerk werden mit rund 50 Millionen Euro beziffert. Diese sollen zum Großteil von einer Energiegesellschaft getragen werden. Den Rest müssen die Gemeinden beisteuern. Die Projektkosten von rund einer Million Euro tragen die sieben Gemeinden zu 100 Prozent. Das wurde beim Wasserkraft-Gipfel im Innsbrucker Landhaus am Donnerstag ausverhandelt.

Projekt kann eingereicht werden

Das Projekt sei nach dem Kriterienkatalog bewilligungsfähig und könne eingereicht werden, so Energielandesrat Anton Steixner (ÖVP). Davor müssen die sieben Gemeinden das Projekt aber noch im Gemeinderat beschließen und es muss noch der Bevölkerung vorgestellt werden.

Keine uneingeschränkte Zustimmung

Dass das Projekt nicht nur Befürworter hat, zeigt eine schriftliche Stellungnahme des Sellrainer Viezebürgermeisters Georg Dornauer. Darin heißt es: „Die öffentliche Lobhudelei von Landesrat Steixner über die angebliche Einigung der Bürgermeister beim Kraftwerk Sellrain ist nicht nachvollziehbar und eindeutig verfrüht.”

Dornauer verweist darauf, dass zahlreiche betroffene Gemeinden ohndies bereits stark verschuldet seien. Er könne sich deshalb nicht vorstellen, dass seitens der Gemeinderäte nur positive Beschlüsse für das Kraftwerk zu erwarten sind.

Update vom 1. Sept. 2012

Das vom Land Tirol stark forcierte Kraftwerk Sellrain an der Melach ist nicht vom Tisch. Zuletzt hing es an den Sellrainer Gemeinderäten, die Weichen mit einem Grundsatzbeschluss für das Gemeinschaftsprojekt zu stellen. Donnerstagabend diskutierten die Mandatare mit Vertretern der planenden Tiwag-Tochter „Wasser Tirol“, mit Hubert Steiner von der Wasserwirtschaftsabteilung des Landes und mit Helmuth Müller von den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB).

Kritisch stand die Liste von Vizebürgermeister Georg Dornauer (Gemeinschaftsliste) dem Projekt gegenüber, weil sie das bereits eingereichte Projekt am Fotscherbach in Gefahr sah. Außerdem fragte sich Dornauer: „Wo sollen wir das Geld hernehmen? Die Gemeinde hat keines.“

Hier wären die IKB als möglicher strategischer Partner eine Antwort. Müller präsentierte ein Konzept, bei dem die IKB das volle Projektentwicklungsrisiko sowie die Vorfinanzierung der Planungskosten übernehmen würden. Es müsse eine Kraftwerksgesellschaft gegründet werden, bei der die Gemeinden Oberperfuss, Unterperfuss, Grinzens, Gries, St. Sigmund, Sellrain und Kematen mit Beteiligungen einsteigen würden. „Die IKB möchten 50 Prozent, wir wollen eine Partnerschaft auf Augenhöhe“, betont Müller. Auch Ernst Fleischhacker, Geschäftsführer der Wasser Tirol, sprach am Donnerstagabend Klartext mit den Mandataren: Das Kraftwerk sei nach der Prüfung durch den Kriterienkatalog zu empfehlen, berichtete er von den bisherigen Untersuchungen. „Aber es gibt natürlich Risiken, die sind noch da. Wir können sie Schritt für Schritt eingrenzen“, betonte er. Auch Georg Dornauer junior (Liste Wir Sellrainer) befürwortet mit seinen Parteikollegen ein Modell mit Strategiepartnern.

Bürgermeister Norbert Jordan betonte: „Wir wollen, dass nachhaltig gebaut wird, deshalb ist für mich das IKB-Modell das bessere.“ In Oberperfuss bevorzugte der Gemeinderat ein Modell ohne Strategiepartner, er will das Kraftwerk zu hundert Prozent in Gemeindehand sehen. Die Sellrainer fassten am Donnerstag einstimmig den Grundsatzbeschluss für das Kraftwerk, aber mit dem Zusatz, dass „sicherzustellen ist, dass das wirtschaftliche Risiko während der Planungsphase bis zur endgültigen Genehmigung nicht die Gemeinde treffen darf“. Jetzt ist der Ball wieder beim Land. Dort wird es wieder Gespräche über die weitere Vorgehensweise geben.

— Redaktion

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