Im Gespräch mit Reinhold Fagschlunger

· April 2009

Der SENDERSWIND im Gespräch mit Gemeindevorstand Reinhold Fagschlunger

Reinhold, du bist in Grinzens geboren, aufgewachsen und lebst mit deiner Familie dort. Wie gefällt es dir hier?

Gemeindevorstand Reinhold Fagschlunger
Reinhold Fagschlunger
Jg. 1959
verheiratet - 3 Kinder
Leiter Post.Maintain
Management
Gemeindevorstand und
Gründungsmitglied ULG

Ja, ich bin ein waschechter Grinziger. Ich habe die ersten zwei Lebensjahre bei meiner Mutter, auf dem Hof ihrer Eltern (Holzknecht „Lak“) im Ortsteil Seite gewohnt. Dann sind wir zu meinem Vater nach Axams gezogen. Mittlerweile lebe ich schon wieder 25 Jahre mit meiner Familie, meinen drei Söhnen, Gattin und Schwiegermutter in Grinzens und könnte mir auch nicht vorstellen, woanders zu wohnen.

Was machst du beruflich?

Ich leite eine Abteilung mit 24 Mitarbeitern bei einer Tochtergesellschaft der Post in Innsbruck. Wir sind mit der Instandhaltung der posteigenen Gebäude in Tirol, Vorarlberg und Osttirol beauftragt. Meine Philosophie ist beruflich, wie auch in der Politik, Mitarbeiter so zu motivieren, dass jeder das Beste nach seinen Möglichkeiten in seinem Verantwortungsbereich leistet.

Man liest momentan ja viel von den Plänen der Post. Was ändert sich für Grinzens?

Nach meinem Wissensstand ist für die bestehende Poststelle im Gemeindeamt, keine Änderungen seitens der Post geplant.

Du warst zwei Amtsperioden im Pfarrgemeinderat Grinzens. Wie hat dir diese Tätigkeit gefallen?

Für mich war das eine sehr erfüllende Arbeit, weil dort auch bei verschiedener Meinung ein sehr angenehmes Miteinander möglich war.

Was waren deine Beweggründe, bei der Gemeinderatswahl 2004 als ULG-Kandidat anzutreten?

Ein junges, vor guten Ideen strotzendes Team und ein Programm, das mir gefallen hat, haben mich überzeugt.

Hast du deinen Entschluss, in den Gemeinderat einzuziehen, jemals bereut?

Nein, für mich überwiegen trotz Unstimmigkeiten bei den Gemeinderatssitzungen nachwievor die positiven Aspekte. All das, was wir für unsere Gemeinde schon erreicht haben, erfüllt mich mit Genugtuung und Zuversicht. Ich bin ein sehr optimistisch denkender Mensch, und ich bin fest davon überzeugt, noch viel für unsere Gemeinde zu erreichen.

Du bist nicht nur Gemeinderat, sondern auch Gemeindevorstand. Was hast du da für Aufgaben?

Der Gemeindevorstand hat die Aufgabe, die Tagesordnungspunkte für die Gemeinderatssitzungen vorzubereiten. Im Moment ist die Situation aber eher so, dass auch wir Gemeindevorstände oftmals in der GR-Sitzung überrascht werden. Etwa durch unvollständige Formulierung der geplanten Beschlüsse oder Punkte, die bei der Vorstandssitzung gar nicht besprochen wurden. Dies ist oft auch ein vorprogrammierter Grund für Konfliktsituationen im Gemeinderat.

Auf welche umgesetzten Projekte deiner Fraktion, die vor der Wahl versprochen wurden, bist du besonders stolz?

Auf den Nahversorger. Hier war ich im Projektteam und konnte meinen Beitrag leisten. Ganz besonders freut es mich, dass die Firma M-Preis mit der geschäftlichen Entwicklung sehr zufrieden ist. Die freundlichen Mitarbeiterinnen des miniM sind auch ein Grund für die steigende Kundenfrequenz.

Welche Wahlversprechen der ULG, die aus deiner Sicht wichtig sind, wurden noch nicht umgesetzt?

Die Sportplatzerweiterung und der Rundwanderweg.

Welche Projekte sollten deiner Meinung nach unbedingt in Zukunft angegangen werden?

Die Straßenverbreiterung in die Neder und eine Direktvermarktung bäuerlicher Produkte.

Vor etwa einem Jahr ist Karl Gasser nach 28 Jahren als Bürgermeister zurückgetreten. Was hat sich an der Zusammmenarbeit geändert?

Beim Nachfolger Anton Bucher habe ich noch nicht wirklich das Gefühl einer Zusammenarbeit, bei allen verständlichen Differenzen. Die Zusammenarbeit mit Karl war sicherlich auf einer deutlich professionelleren Ebene möglich.

Wie könnte man die Zusammenarbeit im Gemeinderat verbessern?

Nach der letzten Sitzung sehe ich da nicht wirklich eine Möglichkeit, wie man da wieder zusammenfinden könnte.

Was ist das Schwierige an der Oppositionsrolle?

In der Politik wird es immer wieder verschiedene Meinungen geben. Hier gilt es zu diskutieren, Meinungen einzuholen und für die Sache das Beste zu erreichen. In Grinzens ist durch die Konstellation der zwei Fraktionen, mit der Mehrheit der Heimatliste, die momentane Situation nicht zielführend und für die Entwicklung im Ort nicht so, wie ich mir das wünschen würde. Die ULG in der Oppositionsrolle und als „Aufdecker“ hat immer die schlechteren Karten. Finger in Wunden legen ist unangenehm und erscheint nach außen als „böse“.

Du bist auch Mitglied im Sportausschuss, hast also am Projekt der Sportplatzerweiterung mitgewirkt. Wie war der bisherige Verlauf und wie beurteilst du die Zukunft des Projektes?

Die Sportplatzerweiterung war meine Idee und ich habe sie auch dem Gemeinderat vorgeschlagen. Meine Vorstellung war und ist es immer noch, das Gelände um den bestehenden Sportplatz in ein Gesamtkonzept ein zu binden und dieses auch schrittweise nach den finanziellen Möglichkeiten zu verwirklichen. Die Heimatliste hat, wie schon bei anderen Projekten auch, ohne wirklich fachgerechte Planung und Kostenerhebung den Start der Bauarbeiten durchgesetzt. Dieses Unterfangen wurde Gottseidank durch den notwendig gewordenen Bau eines Rückhaltebeckens vorübergehend gestoppt, aber die dadurch gewonne Zeit nicht für eine eingehendere Planung genutzt.

Das Projekt würde sicherlich an Qualität gewinnen, wenn die Heimatliste nicht versuchen würde, es im Alleingang und ohne die Planungshilfe von Fachleuten durchzuboxen. Sie ist anscheinend von der Sorge besessen, dass ihr Beitrag zum Projekt nicht genügend zur Geltung kommen könnte, wenn sie es wie das Jugendraumprojekt gemeinsam mit der ULG auf die Beine stellt.

Mit welchen Zielen geht die ULG in das Wahljahr 2010? Und wird wieder der Name Reinhold Fagschlunger auf der Liste stehen?

Ganz sicher werde ich mich weiter für Grinzens engagieren. Einige Ziele wurden trotz Gegenwindes schon erreicht. Die ausstehenden werden wir auch noch umsetzen. Ich hoffe nur, dass in der nächsten Periode die Möglichkeit gegeben ist, dass nicht nur eine Fraktion im Gemeinderat entscheidet.

Reinhold, herzlichen Dank.

— Redaktion

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