Ja, wer konnte das denn ahnen?

· September 2009

Senderswind Nr.19Seit Wochen liest man in allen Zeitungen, wie schlecht es den Firmen geht – Aufträge bleiben aus, Kurzarbeit ist nötig, um Entlassungen zu vermeiden. Österreich nimmt weniger Steuern ein, das Land Tirol spart, wo es geht.

Grinzens bekommt daher heuer voraussichtlich weniger Geld vom Land, als bisher eingeplant. Ja, wer konnte denn ahnen, dass die Weltwirtschaftskrise irgendwann auch Grinzens erreichen kann?

Der Bürgermeister weiß seit Mai diesen Jahres darüber genau Bescheid. Das Land Tirol, seine eigene Aufsichtsbehörde hat es ihm im „Merkblatt für die Gemeinden Tirols“ geschrieben, schwarz auf weiß. Das Land wird weniger Ertragsanteile überweisen können, als ursprünglich geplant und weist auch gleich darauf hin, dass für solch einen Fall gemäß Tiroler Gemeindeordnung „für den Fall des voraussehbaren Ausbleibens von im Voranschlag veranschlagten Einnahmen eine entsprechende Budgetsperre vorzusehen“ ist. IST! Nicht darf, kann, wäre schön – nein einfach: ist zu machen, jetzt, im Mai, bevor es zu spät ist.

Nur: Der Bürgermeister erzählt niemandem etwas davon, verheimlicht dem Gemeinderat, dass es am Ende des Jahres eng werden könnte mit dem Geld, unseren Steuern und tut so, als wäre nichts gewesen. Anstatt jetzt – im Mai – noch einmal ganz genau zu schauen, was in diesem Jahr noch unbedingt nötig wäre und wo vielleicht sogar noch Geld übrig ist, weil sich das Vorhaben „Gehsteigverbreiterung Neder“ vielleicht doch nicht so schnell ausgeht, werden Büros eingerichtet und Beschneiungsanlagen beschlossen – nicht einmal eingeplant.

Verstehen muss das keiner. Es wird jedenfalls niemandem helfen, wenn der Bürgermeister am Ende des Jahres einen Kredit aufnehmen muss. Für ein „Ja, wer konnte das denn ahnen“, wird es dann aber zu spät sein, Herr Bürgermeister!

Herzlichst,

— Redaktion

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Kommentare

  1. — Flo · 15. Oct. 09, 13:51 · #

    dazu auch ein interessanter artikel in der TT
    (http://tt.com/tt/tirol/story.csp?cid=15132299&sid=56&fid=21):

    ich bin zwar auch der meinung, dass kleingemeinden wie grinzens mehr finanzielle mittel zur verfügung gestellt werden sollten, allerdings löst dies nicht das problem der “wurschtelei”. in unternehmen holt man sich bei schwierigkeiten einen externen berater, welcher prozesse optimiert und die effizienz steigert. vielleicht wäre es sinnvoll, wenn sich grinzens auch einen profi (also eine art “finanzberater” für öffentliche einrichtungen) holt, der die finanzielle lage analysiert und dem GR eine fundierte basis für seine arbeit verschafft.

    aber dazu muss man auch in der lage sein, sich einzugestehen, dass man überfordert ist, fehler gemacht hat und hilfe benötigt.

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