Klimabündnis – Chance für eine nachhaltige Gemeindepolitik
Ausgabe Nr. 9 · December 2006
Die Anzeichen einer drohenden Klimaveränderung werden von niemandem mehr bezweifelt, auch nicht dass menschliche Aktivitäten diesen Prozess beschleunigen, wenn nicht gar ausgelöst haben.
Das Klimabündnis bietet eine Chance, dieser globalen Krise auf lokaler Ebene von Gemeinden und direkter Bürgerbeteiligung entgegen zu steuern.
Was ist das Klimabündnis?
- Zwei Partner
Das Klimabündnis ist eine Partnerschaft zum Schutz des Weltklimas zwischen insgesamt über 1600 Gemeinden in 16 Ländern und indigenen Völkern noch intakter Amazonas-Regenwaldgebiete am Oberen Rio Negro, eines Zubringerflusses des Amazonas in Brasilien, etwa in der Größe Österreichs.
In Österreich haben sich bisher über 600 Gemeinden sowie alle Bundesländer, über 300 Betriebe und mehr als 100 Schulen und Bildungseinrichtungen dem Klimabündnis angeschlossen. In Tirol sind es 26 Tiroler Gemeinden (zuletzt Hall in Tirol, beigetreten im Sommer 2006). Grinzens könnte das 27. Mitglied werden. - Ein Ziel
Beiden Partnern ist es ein besonderes Anliegen, ihren Beitrag zum Schutz des Weltklimas zu leisten.
Klimabündnisgemeinden setzen dabei vor allem auf Aktivitäten in den Gebieten Energie, Verkehr, Beschaffungswesen und Öffentlichkeitsarbeit. Die Bündnispartner am Oberen Rio Negro versuchen alles, um ihren Lebensraum intakt zu erhalten. Die Klimabündnisgemeinden unterstützen sie dabei mit der Hälfte ihres Mitgliedsbeitrages.
Warum sollte Grinzens beitreten?
Das Klimabündnis würde Grinzens dabei unterstützen, konkrete Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, wie eine klimaschonende, nachhaltige Dorfentwicklung aussehen könnte. Das Angebot reicht dabei von Organisation und Koordination bewusstseinsbildender Maßnahmen (am bekanntesten ist der „Autofreie Tag“) über Beratung und Referate, Informationsmaterial bis hin zu Schwerpunktsangeboten an Schulen (Themen-Workshops, Erlebnis-Ausstellungen, ReferentInnen-Besuche).
Als Klimabündnisgemeinde würde Grinzens in nicht zu unterschätzendem Maße an Image gewinnen, sowohl nach innen (also bei den GemeidenbürgerInnen selbst) als auch nach außen nach dem Motto: „Schlafdorf? – Nein! Vorreiter in Sachen Klimaschutz!“ Diese Vorbildwirkung wird durch Klimabündnis-Schilder am Ortseingang unterstrichen.
„Schön und gut, aber was kümmern mich die Indianer?“
Klimaschutz ist mehr als Kohlendioxid (CO2) -Reduktion in unserem Land. Nur wenn wir global zusammenarbeiten und nachhaltig wirtschaften, können wir den Regenwald, unseren größten CO2-Speicher, retten und einer möglichen katastrophalen Klimaerwärmung entgegenwirken. Die Klimabündnis-Projektpartnerschaft mit den indigenen Völkern am Oberen Rio Negro gilt als eines der bestkonzipierten Projekte der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und ist europaweit vorbildlich.
Wie kann Grinzens Klimabündnisgemeinde werden?
Formal ist der Beitritt sehr einfach:
- Gemeinderatsbeschluss
- Mitgliedsbeitrag
Pro GemeindebürgerIn wären 16 Cent pro Jahr zu berappen, für 2007 also EUR 204,80 (gerechnet für 1.280 Einwohner). Die Hälfte davon, also EUR 102, 40 käme direkt dem Entwicklungsprojekt Rio Negro zugute. Optional gäbe es noch die Möglichkeit, Mitglied beim internationalen Verein in Frankfurt zu werden (zusätzlich EUR 180,—)
Wichtig ist, dass Grinzens als Mitglied die Ziele des Klimabündnis mitträgt …
… und zwar sowohl auf der Ebene des Gemeinderates, als auch möglichst alle GemeindebürgerInnen eingebunden werden und sich mit den Klimabündniszielen identifizieren können:
- Umfassende CO2-Reduktion durch Energiesparen, -effizienz und Nutzung erneuerbarer Energien
- Verzicht auf halogenierte Treibgase (FCKW)
- Verzicht auf Tropenholz (Erhaltung des Lebensraumes „Regenwald“ in Amazonien)
Wie könnte Grinzens vorgehen?
- Umfassende Information der Grinzner GemeindebürgerInnen:
Hierzu bieten die Leiterin des Klimabündnis Tirol, Frau Dr. Sigrid Sapinsky, und Hans Kandler an, nach Grinzens zu kommen und in umfassende Einführungsvorträgen das Klimabündnis in allen Details vorzustellen. - Beschluss im Gemeinderat
- Beitritt und Ernennung eines Klimabündnis-Ausschusses/ Kontaktperson seitens der Gemeinde Grinzens
- Entwicklung möglicher Ansätze, wie die Ziele des Klimabündnis erreicht werden könnten, und zwar unter breiter Einbindung aller Grinzner GemeindebürgerInnen. z.B.:
- Energiesparen: Beitrag der Gemeinde (Förderung von Solaranlagen, modernen Holzheizungen (etwa Hackschnitzelanlagen) und Wärmedämmmaßnamen) als auch jedes einzelnen (etwa: keine Elektrogeräte im Standby-Modus betreiben, Verzicht auf Produkte mit viel Verpackungsmaterial, Dusche statt Vollbad, Wohnräume nicht überheizen)
- Verkehr: hier kann die Gemeinde sehr positiv auf das Mobilitätsverhalten ihrer BürgerInnen einwirken: Grinzens könnte an der Verkehrsinitiative „Gemeinden machen mobil“, getragen vom Klimabündnis und Land Tirol, teilnehmen und in dessen Rahmen Unterstützung bei Verkehrsprojekten erhalten, welche die Lebensqualität aller GemeindebürgerInnen steigern: etwa sichere Gestaltung von Schutzwegen, Organisation einer Mitfahrzentrale für Fahrten in die Nachbargemeinden, tagweises Ausleihen von (3-5) Verkehrsverbunds-Jahreskarten auf dem Gemeindeamt, ….
- Jugendarbeit: Workshops und Vorträge, veranstaltet vom Klimabündnis, abgestimmt sowohl auf Kindergarten- als auch Volkschulalter
- Integration der gesamten Gemeinde bei der Umsetzung
Mit der Akzeptanz bei allen Grinzner Einwohner steht und fällt jegliche Initiative. Deshalb ist es das Um und Auf, dass die GemeindebürgerInnen möglichst geschlossen in alle Schritte auf dem Weg hin zu einer Klimabündnisgemeinde miteinbezogen werden.
Effizienter Klimaschutz funktioniert nur, wenn alle – Gemeindeführung und BügerInnen – an einem Strang ziehen, um unsere Lebensqualität und Wirtschaft, beide basierend auf intakter Umwelt, zu erhalten. Das Klimabündnis bietet dazu seine Unterstützung an. Grinzens sollte diese Chance ergreifen.
weiterführende Informationen:
Klimabündnis Österreich
Klimabündnis Tirol
Ökostaffel
Kommentare
« Der Gemeinderat, kein Platz für Diskussionen? · Editorial - Ausgabe 9 »

