TirolerFreiheit – Interview mit Eckehard Schönwiese

· April 2007

Senderswind: Die Sendersbühne Grinzens wagt nach dem großen Unternehmen eines neuartigen Passionsspieles im letzten Jahr die Uraufführung eines Stückes unter dem Titel „TirolerFreiheit“ auf der großen Freilichtbühne mitten im Dorf. Ist das wieder ein so großes Unternehmen?

Ekkehard Schönwiese Schönwiese: Ja, es hat die Überlegung gegeben, die Passion noch einmal auf den Spielplan zu setzen, um die hohen Investitionskosten herein zu spielen. Da das Unternehmen aber in jeder Hinsicht, das heißt auch finanziell erfreulich positiv ausgegangen war überwog schließlich der Wunsch nach einer neuen Herausforderung.

Senderswind: Und da kamen Sie auf „TirolerFreiheit“, auf Andreas Hofer.

Schönwiese: Nein, nicht ich. Auf die Idee kam der Spielleiter der
Sendersbühne, Helmut Leitner, unter dessen Leitung 2006 Bühne und Tribüne der überdachten Freilichtarena von Grinzens entstanden. Er überzeugte den Vorstand mit der Meinung, dass es von der Dimension her nach einem Passionsspiel nur ein Thema geben könne, den Tiroler Freiheitskampf.

Senderswind: Wäre es nicht logischer gewesen, damit auf das Jahr 2009 zu warten?

Schönwiese: Das ist schon deshalb nicht möglich, weil die Freilichtbühne nach der Sommerspielzeit 2007 abgebaut wird.

Senderwind: Warum eigentlich?

Schönwiese: Der Kreis der Hauptverantwortlichen, die ehrenamtlich die Freilichtspiele auf die Beine stellen, haften persönlich für den Erfolg. Sie investieren viel Energie, um diesen Erfolg abzusichern. Auf Dauer ließe sich das nur lösen, indem die, die am meisten belastet sind, in einem bestimmten Umfang honoriert werden. Diesen Weg hat die Sendersbühne vom Beginn an ausgeschlossen.

Lebendiges Volksschauspiel hat seinen Reiz durch dieFreiwilligkeit, sprich Ehrenamtlichkeit. Da entsteht etwas aus der Begeisterung oder es entsteht nichts. Wenn da aber Geld im Spiel ist, werden
sofort wirtschaftliche Regeln aufgestellt, durch die sich Hierarchien bilden und Abhängigkeiten entstehen. Und vor allem ist das Spiel nicht mehr ausschließlich aus der reinen Begeisterung am gemeinsamen Spiel getragen.

Senderswind: Wie viele machen bei „TirolerFreiheit“ mit?

Schönwiese: Neben 45 kleinern und mittleren Rollen ist da an die Musiker, die Kindern den Chor und den Stab der Techniker und Organisatoren zu denken. Über 100 sind unmittelbar und weitere mittelbar beteiligt.

Senderswind: Wie viele Hauptrollen gibt es?

Schönwiese: Eine, und die eigentlich nur eine mittlere Rolle.

Senderswind: Andreas Hofer.

Schönwiese: Ja.

Senderswind: Das Besondere an der Passion Grinzens waren die zahlreichen Rollen, die in üblichen Passionsspielen nicht auftauchen, zum Beispiel die Frauen der Jünger Jesu. Nun sind ja auch übliche „Andreas–Hofer–Stücke“ Männerstücke, oder?

Schönwiese: Ja, es soll ja ungefähr 150 Theaterstücke dieser Art geben. Fünfzig hab ich gelesen. Markante Frauenrollen fand ich da nirgendwo, außer etwa bei Karl Schönherr. Nun ist auch „TirolerFreiheit“ kein Frauenstück geworden, auch wenn es da so manche Gestalt wieder zu entdecken gab wie etwa Giuseppina Negrelli, die wegen ihrer Tapferkeit zu Frau Hauptmann befördert
worden war.

Senderswind: Worin unterscheidet sich „TirolerFreiheit“ von üblichen „Andreas-Hofer-Stücken“?

Schönwiese: Das Stück entzieht sich der Verherrlichung von Gewalt.

Senderswind: Tun das „übliche Andreas-Hofer-Stücke“?

Schönwiese: Zum allergrößten Teil ja zumindest in dem Sinn, dass sie Helden in de Himmel heben und Verräter verteufeln. Diese Spiele erwecken den Eindruck, dass es so leicht ist zwischen „den Guten“ und „den Bösen“ zu unterscheiden. Es kommt in „TirolerFreiheit“ kein einziger Franzose vor. Es gibt auch keine Schlachten auf der Bühne. Dagegen aber erfahren wir von Ringen um das Durchsetzen von Freiheiten, über die Unterschiede bäuerlichen und bürgerlichen Denkens, über den Zusammenbruch patriarchalischen Staatenlenkens und vom Drama der Gutgläubigkeit.

Senderswind: War Andreas Hofer gutgläubig?

Schönwiese: Bis zu seinem Ende hoffte er auf Rettung durch den Kaiser. Sein Drama war der gute Glaube, als verlängerter Arm des Kaisers zu handeln. Er hinterfragte nicht, wo Eigenwilligkeit beginnt. Er ließ sich zunehmend als Spielball missbrauchen und war am Ende nicht mehr Herr der Entscheidungen, die in seinem Namen getroffen wurden. Der „gute Glaube“ wird zur Tragödie, wenn er die Augen vor der Unvermeidlichkeit der Aufklärung verschließt.

Senderswind: Wir danken für das Gespräch.

— Redaktion

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