Wie wollen wir unseren Lebensraum langfristig gestalten?

· April 2007

Einige Fragen zur DORFENTWICKLUNG

KompassIn jüngster Zeit beschäftigten sich Gemeinderäte und Bürger der Gemeinde Grinzens mit Themen wie Jugendraum, Sportplatzerweiterung , Golfplatz , Verkehrskonzept, Umwelt- bzw. Klimaschutz , Parkplatz und einem neuen Gehsteig. Manche dieser Projekte sind bereits umgesetzt, andere noch in Planung. Bei genauerem Hinsehen wird man feststellen, dass viele dieser Themen miteinander in Zusammenhang stehen. Es erscheint deshalb sinnvoll, die einzelnen Entscheidungen pro Projekt an übergeordneten Zielen der Gemeinde auszurichten, damit am Ende „alles zusammen passt“. Diese Ziele sollten langfristig angelegt sein und unter Einbindung aller Bevölkerungsgruppen gemeinsam definiert werden, damit die Entwicklung des Dorfes nach den Bedürfnissen seiner Bewohner bewusst gestaltet werden kann.

Folgende Fragen könnten wir uns im Zuge der aktiven Dorfentwicklung stellen:

*Welche Entwicklungen möchten wir auf jeden Fall vermeiden?

Die Beantwortung dieser Fragen soll uns dabei helfen, ein klares Bild von unserem gewünschten zukünftigen Lebensraum zu entwickeln. Dabei ist es wichtig, die Dinge möglichst realistisch zu betrachten und zu benennen, damit die Formulierung eines Leitbildes für die Dorfentwicklung nicht in ein Wunschkonzert ausufert. Konkret heißt das, nicht alle Ziele können gleich wichtig sein. Auch müssen Bedingungen für die Umsetzung von bestimmten Zielen definiert werden – nicht zuletzt unter Berücksichtigung von budgetären Einschränkungen.

Das so entstandene Leitbild für die langfristige Dorfentwicklung kann nun einerseits dabei helfen, an die Gemeinde herangetragene Projekte gemäß den vereinbarten Zielen zu entscheiden, andererseits lenkt es die aktive Planung von Investitionen und sonstigen Aktivitäten in der Gemeinde. Ein Beispiel dazu: In der Gemeinde besteht das Ziel der Schaffung von attraktiven Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Zur Erreichung dieses Zieles wurde jüngst z.B. der Jugendraum gegründet und der Sportplatz gebaut, der nun um zusätzliche Angebote erweitert werden soll. Auch die Erhaltung bzw. Instandsetzung des Moosliftes dient der Umsetzung dieses Zieles. So ergibt sich ein in sich stimmiges und wertvolles Freizeitangebot für unsere jungen Leute.

Bevölkerungsentwicklung Grinzens, Quelle: Statistik Austria, http://www.statistik.at/Wer über Dorfentwicklung nachdenkt, kommt nicht darum herum, sich über Bevölkerungsentwicklung Gedanken zu machen. Wer wird in den nächsten 10 oder 20 Jahren in Grinzens wohnen? Also für welche zukünftigen Bewohner gestalten wir unser Dorf? Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass zu Beginn des 20. Jhdt. durch einen Bevölkerungsschwund geprägt war, ehe die 60er-, 70er- und 80er-Jahren einen starken Zuwachs brachten, der in den letzten 15 Jahren zunehmend verebbt ist.

Grinzens um 1940
Grinzens um 1940

Heute befindet sich das Bevölkerungswachstum in Grinzens auf demselben Niveau wie jenes von ganz Tirol (wobei zu erwähnen ist, dass das Wachstum im Bezirk Innsbruck Land stärker war als das durchschnittliche Wachstum in Tirol). Unsere Erfahrung zeigt auch, dass sich Kindergarten und Schule in Grinzens – entgegen der Entwicklung in vielen anderen Tiroler Gemeinden – immer noch eines regen Zustroms erfreuen. Damit das so bleibt, könnte eines der Ziele für Grinzens lauten, die Ausgewogenheit der Generationen aufrecht zu erhalten und darauf zu achten, dass junge Grinzener Familien die Möglichkeit erhalten, im Dorf zu bleiben (z.B. durch die Schaffung von Wohnraum im Loaren Tal).

Dorfentwicklung ist also das Gegenteil einer „wait and see“-Mentalität („erst einmal abwarten“). Sie bietet die Chance, den eigenen Lebensraum heute und in Zukunft mitzugestalten, mit Aktivitäten die Entscheidungen unserer Gemeinden positiv und nachhaltig zu beeinflussen. Dorfentwicklung sollte auch als Instrument gesehen werden, die vielen engagierten Bürger, die Grinzens hat, ins Gemeindegeschehen mit ein zu beziehen, sodass das Geschick des Dorfes in den Händen der Betroffenen selbst liegt. Dies führt mit Sicherheit zu mehr Identifikation mit dem Heimatort, zu einer breiten Akzeptanz der getroffenen Entscheidungen und macht das Dorf lebendig und einmalig.

— Redaktion

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